Hier eine Geschichte, welche ich zugeschickt bekommen habe. Diese hat Linz verfasst. Ich dachte, die kann man heute auch perfekt teilen :). Verändert und angepasst habe ich nichts, außer einigen (mehr oder weniger zufälligen) Absätzen.

Es war ein harter Freitag, ich bin grade nach Hause gekommen, es ist 19 Uhr und ich müffle nach Uni und S-Bahn-Schweiss. Es war knapp 30 Grad im Schatten heute und ich muss auch noch für eine Party bei nem Kumpel einkaufen…Bier, 4 Pakete Rotwein und ein Netz Orangen für eine Sangriabowle und eine Honigmelone und rohen Schinken für Melonenhäppchen.
Seit neuestem hat der Supermarkt bis um 22 Uhr geöffnet…“Welch ein Glück“ denke ich, da kann ich ja noch ne Stunde chillen, dann in Ruhe duschen und um etwa 21 Uhr in den Laden gehen. Gesagt, getan. Auf dem Sofa schlafe ich bei einer äußerst spannenden Folge „Galileo“ ein, ich glaube es ging um die Herstellung von Kohlrouladen in der Dose. Um 20.50 Uhr werde ich wieder wach, Scheiße, Duschen kann ich mir knicken. Dank des uneingeplanten Nickerchens sieht die rechte Seite meiner Frisur aus wie nach einem Elektroschock…noch 5 Minuten…ich kämme mich schnell und ziehe über den Schweißmuff ein frisches T-Shirt mit verwaschenem Bandlogo und ein kurzes Hemd an, um nicht wie ein Penner auszusehen, wenn ich schon so rieche.

Kurz nach 21 Uhr bin ich auf dem Weg zum Supermarkt, der Weg würde nur 5 Minuten dauern, wenn er nicht zwangsweise über die Fußgängerbrücke über die Autobahn A59 gehen würde. Daher kalkuliere ich als eher, sagen wir, unathletischer Typ bei 30 Grad Außentemperatur eher 20 Minuten ein. Demnach würde ich um etwa kurz vor halb 10 mit den anderen 15 Losern die um diese Zeit noch einkaufen gehen den Laden betreten. Da ich vor meiner frühabendlichen narkoleptischen Erfahrung noch die Fernsehzeitschrift studiert habe, weiß ich, dass um 22.30 Uhr ein Film mit viel Bumm Bumm läuft, den ich gerne sehen würde, da ich mir heute in Aussicht auf die Party am morgigen Tag nichts mehr vornehmen wollte, man wird ja nicht jünger.

Nachdem ich mir natürlich den Einkaufswagen ausgesucht habe an dem eine Rolle defekt ist, wie epileptisch bei jeder Bodenritze hin und her wackelt und den Dreckswagen alle paar Meter abrupt zum Stoppen bringt. rollere ich schon leicht genervt unter dem skeptischen Blick des Ladendetektivs, der nach Jahren immer noch nicht gemerkt hat, dass ich weiß, wer er ist und mich ab und zu mit äußerstem Geschick beschattet in den Supermarkt. Für diese späte Uhrzeit… ok, es ist noch hell draußen, wir haben immerhin Hochsommer, sind noch erstaunlich viele Menschen im Geschäft.

Viele scheinen noch für anstehende Saufgelage am nahe gelegenen Baggerloch einzukaufen. Ich sehe Jungs mit nacktem Oberkörper und Flipflops, Mädels im Bikinioberteil, Einkaufswagen mit aufblasbarem Schwimmspielzeug, Bacardiflaschen, Biermixgetränke und Trichtern aus der Haushaltswarenabteilung, die sicher nicht zum Küchengebrauch verwendet werden. Ich drängle mich an diversen vielleicht 15 jährigen Halbstarken vorbei, die um das „Kleiner Feigling“-Regal herumschleichen..“Ironie“ denke ich während ich eine Palette Pils in meinen Invaliden-Wagen packe. Dazu kommen noch: ein Netz Orangen, ein Paket Luftschlangen, vier Pakete Rotwein,den sonst nur Asis kaufen, ein Paket Schwarzwälder Schinken und eine besonders schöne Honigmelone.

Nach dem Besuch in der Obstabteilung versuche ich ohne weitere sinnlose durch Werbung beeinflusste Käufe zur Kasse zu kommen. Nachdem eine Fussballtröte, eine Rolle Isolierband und eine Taschenlampe für den Schlüsselbund aus dem 1 Euro Regal den Weg in den Einkaufswagen gefunden haben, komme ich bei den Kassen an und mein erster Gedanke ist „Voll“… Drei Kassen haben geöffnet und vor jeder steht eine Schlange wie vorm Schützenfesttresen in der Freibierstunde. Es kommt mir vor als wäre jede Großfamilie aus meinem Stadtteil heute spontan auf die Idee gekommen, ihren Atombunker mit Nahrungsvorräten für 3 Jahre Krieg auszurüsten.

Ich bin in meiner Schlange der siebte Kunde, aber der mit den zweitwenigsten Artikeln, weniger hat nur der circa 16 jährige Junge vor mir, der anscheinend auch grade vom Baggerloch kommt und versucht mit nacktem Oberkörper eine 1 Liter Glasflasche Multivitaminsaft, eine Prinzenrolle, eine Tüte Haribo und einen Sack Grillkohle so auf dem rechten Knie und in den Ellenbeugen zu fixieren, dass diese nicht runterfallen. Da es in Supermärkten im Kassenbereich immer wärmer wird, da die Tiefkühlabteilung immer hinten liegt, habe ich nach 10 Minuten Warten auch die frischen Klamotten durchgeschwitzt und merke, dass ich ja immer noch müffle. Ich versuche die Blicke der um mich Stehenden zu meiden und sehe mit Freude, dass der kleine Halb-Nackedei vor mir an der Reihe ist. Gleich ist es vorbei und ich kann nach Hause vor die Flimmerkiste. Falsch gedacht. Schon vom TV-Program träumend werde ich durch ein lautes KASCHEPPER und ein Paar kühle Tropfen an den Schienbeinen wieder in die Realität zurück geholt.

Der semibekleidete Furzknoten vor mir hatte auf dem letzten Meter wohl seinen Bizeps überschätzt und nun war der gesamte Kassengang voller orangener Suppe und Scherben. Sein Kommentar dazu: „Ups“ …Nachdem die Kasse gesperrt und die restlichen Schlangestehenden inklusive mir auf die restlichen 2 offenen Kassen verteilt wurden und ich mich erneut an der siebten Stelle wiederfinde, denke ich mir „Ups…AM ARSCH!!!“. Naja die Tortur geht weiter, eine Großfamilie nach der anderen wird abgearbeitet…zahlt auch noch mit Karte, will Paybackpunkte, Sammelsticker und sonstwelche Kinkerlitzchen, die ihnen nach Einkäufen für 1000 Euro eine Gratis Salatschleuder bescheren würden.

Ich bleibe immer noch recht geduldig…äußerlich…innerlich habe ich nach fast 40 Minuten Wartezeit Fantasien, in denen Rasenmäher und Kettensägen die primären Rollen spielen. Dann geht es etwa 5 Minuten keinen Zentimeter vorwärts und die Kassiererinnen, die von der Frisur und Brille her wie weibliche 60 jährige Atze Schröders aussehen, rufen sich seltsame Bedienungsvorschläge und Sätze wie „Nee, dat jeht hier auch nisch“ und „Hat kein Zweck“ zu. Ich ahne nichts Gutes. Ein Raunen macht sich in der Menge bemerkbar. Weitere geschätzte 5 Minuten später meldet sich der äußerst ängstlich aussehende circa 35 jährige Geschäftsführer im „Real – Einmal hin, alles drin.“ – T-Shirt zu Wort und teilt uns mit, dass der Hauptcomputer ausgefallen wäre und er nicht wisse, wie lange es dauern würde, diesen wieder in Gang zu bringen…von Sicherheitscodes und Totalausfall ist auch die Rede. Ich ziehe mein Hemd aus..auch egal..alle schwitzen mittlerweile, im Laden müssen es dank der Körperwärme auch gefühlte 35 Grad Celsius sein. Mir tippt jemand auf die Schulter und ich erstarre. Ich drehe mich langsam um und denke mir „Bitte jemand den ich mag!“. Ich sehe in das nicht im geringsten schwitzende Gesicht eines alten Schulkameraden und denke „Mist…den mag ich nicht.“.

In einem perfekt sitzenden Anzug, zurückgegelten Haaren und einer lila Krawatte grinst er mich an und sagt etwas wie „Na, altes Haus, wie gehtet dir?“. Ich antworte brav und hoffe innerlich, dass der Smalltalk mit diesem Lackaffen schnell vorbei sein wird. “ Wie läuft das Studium?“ fragt er mich als ob „das Studium“ ein toller Ausflug nach Disneyland wäre und ich antworte „Joah, wie manns nimmt, ich war ja zwei Semester da und da und will jetzt aber da und da hin wechseln, bla bla….“ bevor ich meinen Satz beenden kann, fängt er an mit „Bei mir in Jura is ja alles tutti, und die neue Wohnung ist auch endlich fertig…..von da bin ich ja viel schneller inner Uni und seitdem mein neuer Golf das Feintuning hatte sowieso…“. „Freut mich“ heuchele ich, während ich mir den Brechreiz unterdrücken muss und denke mir „Schön wenn man reiche Eltern hat du Kackvogel, hau bloß ab!!!“.

Während diese Gedanken durch meinen Kopf schwirren, sagt er „Ich muss dann auch mal wieder zu meiner Perle in die andere Schlange…“. Ich sehe in der zweiten Schlange eine leicht dümmlich dreinblickende Blondine mit einem Einkaufskorb in dem sich stilles Mineralwasser, Salat, eine DVD auf der ich nur die Wörter „Teufel“ und „Prada“ erkennen kann und dutzende dieser Frucht-Smoothie Püllchen befinden, die ein Heidengeld kosten und sich jeder Mensch, der 3 Erdbeeren, ne halbe Banane und einen Mixer besitzt, auch selber machen könnte. Nun will ich mich leider leider leider von meinem Schulkollegen verabschieden, da sehe ich ,dass dieser eins meiner Asiweinpakete beäugt, wieder zurück in den Wagen legt und sich bei mir mit einem „Geh mal zu den anonymen Alkoholikern“ – Zwinkern und dem Satz “ Tschüss, und trink nicht so viel“ bei mir verabschiedet. Langsam wird mir bewusst, dass ich verschwitzt und stinkend mit einem Wagen voll Billig-Alk vor einem gestriegelten Jurafuzzi stand, der wohl jetzt jeden aus meiner alten Stufe, den er kennt, darüber informieren wird, dass ich bald unter der Brücke wohne.

Während ich mir so meine Mordgedanken mache, kriegen diverse andere Kunden die Krise und man hört Sätze wie „Das ist doch ein schlechter Scherz!“ und „Man erwartet mich, ich verlange Entschädigung!“. Der mittlerweile kurz vor dem Herzinfarkt stehende Geschäftsleiter gelobigt den Anwesenden alle entstehenden Taxikosten beim Vorlegen der Quittung am nächsten Tag rückzuzahlen und da meine Geduld auch kurz vor ihrem Ende ist, überlege ich, mich mit einem Taxi direkt in die Klapsmühle bringen zu lassen.

Als es dann endlich eine Lösung gibt, nämlich die die ganze Zeit intakte Kasse für Reklamationen an der Informationstheke (AAARGH!!!) haben mein nerviger Schul-„Freund“ und Anhang schon längst ihr Smoothiekörbchen in den Socken-Grabbeltisch geknallt, das Weite gesucht und der Geschäftsführer hat Entschuldigungspäckchen Rocher und Ferrero-Küsschen, Cola und Wasserflaschen und für die Männer Kümmerlinge verteilt. Ich hatte 2 Kümmerlinge, weil ich wohl sonst explodiert wäre, nachdem das Supermarktradio zum fünften mal Mark Medlocks neuen Sommerhit gespielt hat. Nachdem Frau A. Schröder die restlichen 8 oder 9 Kunden inklusive mir an der etwa siebten Stelle mit einem dieser Scanner-Pistölchen auf eine Weise abkassiert hat, bei der Lucky Luke verzweifelt wäre, stehe ich endlich auf dem Parkplatz im Dunkeln und verpacke meine Einkäufe. Während ich die Palette Dosen, die Tetrapacks, die Luftschlangen und den 1 Euro – Schrott geschickt in Tetris-Manier in meinem geräumigen Rucksack verstaue, hält neben mir ein rostiger alter Opel Corsa und der Geschäftsführer fragt mich durchs Schiebedach, ob er mich noch irgendwo hin mitnehmen könnte. Ich muss sagen, Engagement für die Kunden zeigt er, aber ich lehne dankend ab um nicht Schuld an seinem ersten Infarkt zu sein.

Ich verpacke im Mondesschein Schinken, Orangennetz und Honigmelone in einer Plastiktüte und mache mich ächzend auf den Heimweg. Zweimal kommt mir noch fast der warme Kümmerling hoch, bis ich schnaufend die Fußgängerbrücke besteige. Zwei Meter bevor ich das Dach der Brücke erreiche bemerke ich wie die Plastiktüte mit einem Ruck besorgniserregend leicht wird. Mit einem kalten Schauer über dem Rücken blicke ich neben mich auf den Boden…Schinken, Orangennetz, aber keine Melone. Ein Paar Meter hinter mir höre ich ein Geräusch und als ich mich umdrehe, sehe ich, wie sich die Honigmelone schon 5 -6 Meter die Brücke herunter bewegt hat und schneller wird. Da allerdings die handelsübliche Honigmelone eine eher Football-artige Form an den Tag legt, in diesem Fall an die Nacht, macht sie nach ein paar weiteren Umdrehungen Schlingerbewegungen, die darin enden, dass sie über ihre „spitzen“ Seiten wippt, immer größere Hopser macht…leicht ramponiert ertönt nach einem besonders eleganten Hopser ein Geräusch, was am ehesten mit „Splotsch“ zu vergleichen wäre. Da ich mich eh grade auf einer Autobahnbrücke befinde, überlege ich für einen kurzen Moment, ob ich nicht dem ganzen Elend ein Ende setzen soll, trotte dann aber mit Orangen unterm Arm und Schinken in der Hosentasche nach Hause. Als ich die Tür aufschließe, ist es 00.20 Uhr, Steven Seagal hat schon den letzten Bösewicht durchlöchert und hält nur noch seine „In diesem Viertel wird es ab jetzt wieder Gerechtigkeit geben „- Rede wie am Ende jeder seiner Filme nachdem er alleine mehrere Hundertschaften Mafiosi und Menschenhändler niedergemäht hat.

Ich zappe durchs Programm außer Rätselsendungen, Busensendungen und der Wiederholung von „Plötzlich Prinzessin“ kommt nichts und ich schiebe mir die „The big Lebowsky“ – DVD in den verstaubten Player. Bei 2 Paketen Billigwein und 5 Bier erfreue ich mich daran, dass Jeff Bridges in dem Film noch mehr Pech hat als ich heute und schlafe halb auf dem Bett und halb auf dem Boden ein. Am nächsten Tag wache ich gegen 13 Uhr leicht verkatert auf, bemerke, dass ich Ersatz brauche für die Melone, den Wein und den Schinken den ich gestern natürlich nicht mehr in den Kühlschrank getan habe und welcher nun auf meinem Schreibtisch in der Mittagssonne grünlich schimmert wie der Arsch von Kermit dem Frosch. Gegen 14 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Supermarkt…..

Ende